Ein Kilometer, 51 Minuten: So lange habe ich für die Meter zum und vom Mauskarkopf gebraucht, dem höchsten Punkt der 30-Kilometer-Strecke bei den adidas INFINITE TRAILS in Bad Hofgastein – 2.330 Meter, Blockgrat, Regen, Nässe überall. Ich lief nicht mehr, ich ging kaum noch, ich kletterte vorsichtig, Schritt für Schritt. Neben mir war Berthe in Aktion, eine Mitläuferin, deren adidas-Rucksack keine gescheite Vorrichtung für ihre Stöcke hatte. Also habe ich ihre Stöcke die letzten Meter zum Gipfel hinauf in meinem Köcher verstaut – zwei Fremde, die sich in diesem einen Kilometer mehr halfen als in manch anderem Rennen über die ganze Distanz. Vermutlich steckt in diesem Kilometer mehr von diesem Tag als in allen anderen 29 zusammen.
Dabei bin ich mit bescheidenen Ambitionen angereist. Während andere aus unserem ULT Heustadlwasser die ganz großen Bühnen bespielt haben – Erwin Ostry bei der Sechs-Tage-Lauf-WM in Balatonfüred, Zita Schneider beim Ironman ebenfalls in Ungarn –, habe ich mir etwas Kleineres vorgenommen: 30 Kilometer, knapp 2.000 Höhenmeter. Für meinen aktuellen Leistungs- und Gesundheitszustand war das genug, und im Nachhinein war es genau richtig.
Die Strecke selbst kennt man, wenn man ein paar Trailrennen gelaufen ist: Asphalt und Forstweg zum Aufwärmen, dann ein Mittelteil über die Waldgrenze hinaus, der es wirklich in sich hat, danach wieder zurück auf Forststraße und Asphalt. Das reine Trailerlebnis ist überschaubar, aber was in der Mitte geboten wird, ist gewaltig. Und überall, wohin man schaut, sieht man adidas – nicht nur am Rand der Strecke, sondern im Feld selbst: 80, 90 Prozent tragen adidas-Klamotten, ein Bild, das man von anderen Rennen so nicht kennt, wo Vereinsdressen oder Lauf-Shirts anderer Rennen dominieren. Kein Wunder, dass alle Distanzen von 15 bis 60 Kilometer ausverkauft waren, trotz 159 Euro Startgeld für die meisten von ihnen. Man merkt eben, wie viel Kraft und Sorgfalt dieser Konzern in ein Event steckt, das mit seinem eigentlichen Kerngeschäft weniger zu tun hat als mit anderen Sparten. Aber es sind eben nicht nur Logos und Trikots, die dieses Rennen ausmachen, sondern die Menschen darin, mit all ihren kleinen, ehrlichen Momenten.
Im Downhill erlebe ich zum Beispiel diese Szene, die mir hängen geblieben ist: Eine Läuferin ruft ihrer Freundin zu, ob ihr Make-up schon ganz verschmiert sei. Mitten im Regen, am Berg, mit müden Beinen entsteht trotzdem dieser Moment von Leichtigkeit. Genau das hat mich an diesem Rennen überrascht: wie viele Menschen unterwegs sind, die man eigentlich eher auf der Straße vermuten würde, und mit wie viel Enthusiasmus und Mut sie sich in dieses raue Gelände gestürzt haben.
Auf den flachen oder einfacheren Passagen liefen die adidas Runner mir davon, das war zu erwarten. Auf den Trails konnte ich mich in meiner Gruppe gut halten. Gewonnen habe ich logischerweise nicht, in der ersten Hälfte der Ergebnisliste bin ich auch nicht gelandet, aber Letzter war ich diesmal überraschenderweise auch nicht, anders als bei manch anderem Rennen zuletzt. Dass adidas Runner auch Trail können, hat im Übrigen Sarah Nouguier von den adidas Runners Munich eindrucksvoll bewiesen, die heuer bei der TDS Zehnte wurde.
Ob ich genau diese 30 Kilometer liebe, weiß ich noch nicht genau. Aber diesen einen Kilometer am Grat, mit Berthes Stöcken im Köcher und 51 Minuten auf der Uhr, den werde ich nicht vergessen. Und ich werde wohl nächstes Jahr wieder dort stehen wollen – vielleicht.
