3 Monate – 3 Marathons – 5 Länder

Vorausschicken möchte ich, dass dieser Bericht aus 3 Gründen entstanden ist:

  1. Weil ich es Erwin versprochen habe

  2. Weil ich aus diesem Versprechen meinen einzigen Neujahrsvorsatz abgeleitet habe

  3. Weil ich damit mein Trauma aus dem Athen Marathon aufarbeiten konnte

Nachdem im ersten Halbjahr 2021 ja praktisch alle Laufveranstaltungen mit Wettbewerbscharakter verschoben oder abgesagt wurden, hatte ich nur noch einen Marathon am Radar: den von 2020 auf 2021 verschobenen Athen Marathon im November.

Gerade als ich mir Ende September überlegt hatte, dass es an der Zeit wäre, zumindest einen der zwei empfohlenen long jogs in mein Training einzubauen, kam der Wink des Schicksals in der Gestalt von Robert Weihs. Robert hatte einen Startplatz für den 3 Länder Marathon am Bodensee zu verschenken und offensichtlich war außer mir niemand interessiert. Nachdem die langen Trainingsläufe neben dem Intervallen nicht zu meinem beliebtesten Trainingsprogramm zählen, kam das Angebot von Robert grad zum richtigen Zeitpunkt. Was kann eine bessere Vorbereitung für einen Marathon sein als ein Marathon? Mit ist nichts eingefallen, also habe ich mich ohne besondere Vorbereitung für den Bodensee Marathon angemeldet.

Den Rest der Geschichte kennen viele von euch bereits: Robert ist eine unglaubliche Zeit gelaufen und ich war 2 Stunden dahinter auch noch immer nicht wirklich peinlich für unseren Verein.

Und gleichzeitig habe ich mit einem Marathon gleich 3 Länder (Deutschland, Österreich, Schweiz) „bespielt“.

Fotos erspare ich euch auch, da hat ja vor allem Tom Rottenberg schon genug gepostet.

 

Ja, und dann kam Athen und mein „Carbongate“…

Ich wusste bereits aus Erfahrung von meinem Antreten in 2019, dass Athen aus mehreren Gründen einer der schwierigsten Straßenläufe ist.

Erstens und das gilt für alle Teilnehmer: Es geht (fast) stetig bergauf und die Strecke ist nicht sehr attraktiv, zumindest was die ersten 30 km betrifft.

Zweitens und das betrifft eher nur mich. Tagwache ist wegen Anreise bereits um 5 h früh und spießt sich völlig mit meinem Biorhythmus.

Also habe ich nach Möglichkeiten gesucht, trotz der widrigen Umständen eine bessere Zeit als bei meinem letzten Antreten in Athen zu laufen (damals knapp unter 4:50 h). Nachdem die Option ernsthafte Vorbereitung halt doch anstrengend und zeitaufwendig gewesen wäre, wollte ich es über eine optimale Ausrüstung, d.h. schnelleres Schuhwerk versuchen. Über Schuhe mit Carbon Einlage hatte ich bis dahin zwar unterschiedliches gehört, in der Mehrzahl jedoch, dass sie nur wirklich gut trainierten und schnellen Läufern positive Effekte bringen. Aber wozu ist man Mitglied in einem der renommiertesten Laufvereine? Robert Weihs ist am Bodensee mit Carbon Schuhen seine bisherige Bestzeit gelaufen, das würde schon mal glatt dafürsprechen. Er hat mir aber trotzdem eher abgeraten. Von Josef Stöger habe ich jedoch eine glatte Empfehlung bekommen. Nachdem Josef schon mehr Marathons als Robert gelaufen ist und auch beim Tempo weit näher bei mir liegt als Robert, habe ich seine Empfehlung gerne angenommen. Also dann ran ans Abenteuer, no risk no fun, der „Authentic Marathon“ wartet!

Hier wollte ich ursprünglich einen Bericht über „Walters Leiden“ schreiben, aber wen interessiert sowas schon. Irgendwie habe ich es trotz der heftigsten Knieschmerzen ever dann doch gerade noch unter 5 Stunden ins Ziel geschafft. Dort war dann wirklich Schluss mit lustig, ich hatte grad noch die Kraft, alle Versuche mich medizinisch zu betreuen abzuwehren. Wer will schon während einer Pandemie in ein griechisches Spital 😉

Nachdem es im Zielraum ja keine Sitzmöglichkeiten gab, hat mir glücklicherweise eine nette Hostess (mein Engel Jenny, im Bild im orangen Kreis) eine Palette halb leergeräumt, wo ich mich zumindest setzen konnte. Freunde, die vor dem Ziel auf mich gewartet haben und sich berechtigterweise Sorgen gemacht haben, haben dann – von mir unbemerkt und auch unautorisiert - diese Aufnahme machen können.

Irgendwann habe ich mich dann zu meinen Freunden und im Anschluss ins Hotel geschleppt. Was mir Sorgen gemacht hat, dass ich selbst am nächsten Tag noch immer wie „Humpelstilzchen – (copyright Gina Kadi) dahergekommen bin. Da habe ich mir die Frage gestellt, ob das jetzt ganz einfach der berühmte eine Marathon zu viel war oder ob meine Problem vordringlich durch die doch eher steifen „Carbonpatscherl“ verursacht wurden.

Aber wie eine Antwort finden?

Ich habe keine bessere Lösung gefunden als zeitnah einen zusätzlichen Marathon einzuschieben. Auf der Suche nach einem geeigneten Testlauf bin ich auf den Malaga Marathon gestoßen, der praktischerweise auch noch den Vorteil geboten hat, während des Wiener lockdowns stattzufinden. Da ich keine Ahnung hatte, wie dieser Test ausgehen wird und ob ich überhaupt durchlaufen kann, unterlag dieser Plan der völligen Geheimhaltung.

Ab hier kann ich es kurz machen. Malaga ist schon als Destination eine Reise wert, den Marathon würde ich von Strecke, Organisation und Erlebnis zumindest auf die gleiche Stufe von Valencia stellen. Start und Ziel ist im Zentrum, was die Logistik enorm erleichtert. Von meinem Hotel in der Altstadt waren es nur 3 Minuten, für den Rückweg habe ich zwar für dieselbe Strecke rund eine Viertelstunde gebraucht, aber das war erwartbar.

Gelaufen bin ich diesmal mit „old school“ Schuhen und das Erlebnis war ein für mich doch einigermaßen ermutigendes.

Meine Wunschzeit von unter 4:30 h hätte ich ohne meine Steh-Trinkpausen sogar geschafft, zum Ende hin ist es ist in der prallen Sonne dann schon recht warm geworden. Außerdem bin ich wie üblich wieder mal zu schnell gestartet, typischer Anfängerfehler 😉

Auf den Fotos ist glaub ich ganz gut zu erkennen, welch hohen Stellenwert die Weihnachtsbeleuchtung für Malaga hat, das zieht sich nicht nur durch die Einkaufsstraßen, sondern mehr oder weniger die gesamte Altstadt. Wer auf sowas steht, kommt sicher auf seine Rechnung, weil am Abend auch Lichter- und Diashows geboten werden.

  

  

Fazit meiner 3 Läufe:

  • 3 Länder Marathon ist sicher einen Start wert, nach meiner Erfahrung würde ich beim nächsten Mal nur den Halbmarathon angehen, der zweiteTeil der Strecke ist aus meiner Sicht nur mäßig attraktiv.

  • Athen ist ja bekannt dafür, dass die Strecke nicht attraktiv ist, zum Ausgleich bieten sie eine „Designermedaille“, die sich jedes Jahr nur durch den Buchstaben unterscheidet. Erste Buchstabe war „M“, der zweite „A“, es wird leider nicht verraten wie es weitergeht ;-(….

 

  • Malaga ist aus meiner Sicht eine uneingeschränkte Empfehlung, vor allem wenn das Wetter so mitspielt wie bei meinem Antreten – frühsommerliche Temperaturen bei strahlendem Sonnenschein. Die Stadt hat darüber hinaus einiges an Attraktionen zu bieten und kulinarisch ist Spanien sowieso immer wieder ein Erlebnis.

 

So, das wars mit meinem diesmal auf das letzte Quartal komprimierte Marathonjahr 2021, ich bin optimistisch, dass 2022 da etwas entspannter wird….

Ja, und abschließend noch was in eigener Sache:

Hoka One One Carbon X Spe (UVP € 180) in Größe UK 7,5, wenige Kilometer – garantiert unter 100 – gelaufen, um € 50 abzugeben. Kann auch in Naturalien (Bier, Käsekrainer u. ä.) abgezahlt werden.

 

Ich wünsche euch ein Super-Laufjahr!!