2026-06-27 „Des hascht dir verdient"

ist im Sommer brutal, wusste schon Rainhard Fendrich zu Zeiten, als 32 Grad unerträglich heiß waren, denn hitzefrei hatten wir im Gymnasium schon bei 28 Grad – und 40 Grad gab's nur in der Wüste… Was gibt es also Besseres als ein Berglauf Ende Juni, mit leichtem Frösteln am Start und klarer, kühler Bergluft den ganzen Lauf hindurch?!

Der Montafon-Arlberg-Marathon (als Trail 33k) war schon mein länger geplantes läuferisches Sommer-Highlight. Nachdem ich vor zwei Jahren nach eben überstandener Sommergrippe den Lauf nur wandernd absolvieren konnte, wollte ich heuer die etwas mehr als 33 Kilometer und 1.100 Höhenmeter in 4:15 Stunden absolvieren – das wäre vor zwei Jahren Top 5 in der AK gewesen, also für mich ein ansprechendes Ziel.

Drei Wochen vor dem Lauf: der erste Blick auf die Wettervorhersage: 9 Grad und Regen im Tal, Schneefallgrenze auf 1.500 Meter – so kühl muss die Bergluft doch nicht sein. Und außerdem: Es kommt ja immer anders, als man denkt: Mitte Juni legt sich ein Hochdruckgebiet über Mitteleuropa und eine historische Hitzewelle überrollt auch die Alpen. Die Pastaparty am Vorabend des Laufes hat schon etwas Mediterranes, Sonnenuntergang hinter der Valluga bei knapp 30 Grad, die Bekleidung – T-Shirts, Shorts und Flipflops – erinnert mehr an Lignano als an Bergsommer mit Heidi und Ziegenpeter; die Rennleitung entschließt sich kurzerhand, die Marathonstrecke hitzebedingt um 4 Kilometer zu verkürzen.

Sonntagfrüh um 5 Uhr läutet der Wecker, kurz vor 6 Uhr steigen wir in die Shuttlebusse in St. Anton, die uns nach einer Stunde Fahrzeit direkt zum Startbereich ins Silbertal bringen. In der Ansprache des Rennleiters wird nochmals auf die Hitze hingewiesen, auf die zusätzlichen Labe- und Wasserstationen und darauf, dass wir aufeinander aufpassen mögen.

Die ersten zehn Kilometer geht es flott dahin, immer stetig das Verwalltal bergauf, landschaftlich sehr schön, mitunter warm, aber die meiste Zeit im Schatten des Hochwalds. Ab 1.500 Meter Seehöhe wird das anders – die Baumgrenze ist erreicht, die Sonne legt sich unbarmherzig in das Hochtal und von Schatten keine Spur. Mein Laufbuddy wird immer langsamer und gesteht mir, dass er die Hitze nicht so wirklich mag; das hätte er mir gar nicht sagen müssen, hat doch sein Kopf dieselbe Farbe wie sein oranges T-Shirt. Wir schleppen uns zur höchsten Labe auf knapp 2.000 Meter, wo uns bei mittlerweile 29 Grad Wassermelonen als Labung gereicht werden – es wirkt fast schon skurril zwischen Kuhfladen und Almreserln.

Mittlerweile geht es bergab und viel wichtiger: in der Ferne erkennen wir erste schattenspendende Bäume. Am Ende des Tals kurz vor St. Anton die letzte Herausforderung: die Rosanna-Schlucht, ein Steig hoch über dem tosenden Fluss, der direkt im Ort endet. Für mich endet jedoch der Lauf am Eingang zur Schlucht, als ich über eine Wurzel stolpere, einen Salto vorwärts mache und mit den Rippen auf einem Felsen lande. Anstatt durch die Schlucht humple ich die Straße die letzten beiden Kilometer Richtung Ziel, als ich vom Bergrettungsfahrzeug aufgesammelt werde. „Gesuchte verunglückte Person gefunden", meldet der Fahrer über Funk, als ich zum Rettungszelt im Zielgelände geführt werde. Während ich vom Arzt untersucht und meine Wunden an den Armen von den Sanitäterinnen versorgt werden, kommt der Rennleiter persönlich ins Zelt und hängt mir auf der Krankenliege die Finishermedaille um: „Des hascht dir verdient!"

Bei der Heimfahrt am Sonntag hören wir in den Nachrichten, dass beim Kaiserkrone-Trail in Scheffau mehrere Läufer aufgrund der Hitze kollabierten – ein Läufer musste sogar in den Schockraum geflogen werden. Da bin ich froh, dass unser Laufabenteuer nur mit ein paar blauen Flecken geendet hat, denke an die großartige Landschaft im Verwall und freue mich schon auf die nächste Ausgabe des Montafon-Arlberg-Marathons.

Webtipp: Montafon-Arlberg-Marathon