2026-09-03  EMU 6-Days WM 3.9.–9.9.2026

2026-09-03 EMU 6-Days WM 3.9.–9.9.2026

Das EMU 6-Day-Race schwirrte schon seit Jahren als Herausforderung durch meinen Kopf. „Irgendwann einmal werde ich es machen."

Während meiner Lehrtätigkeit war das nicht möglich, da das Rennen immer in die Schulzeit fiel. Urlaub nehmen war natürlich nicht möglich. Also galt es, abzuwarten auf den Ruhestand.
Im Oktober 25 war es dann so weit. Adalbert und ich meldeten uns an. Sofort kamen aber die Zweifel. Schaffe ich das überhaupt? Wer mich kennt, weiß, dass mein Magen die ganz langen Distanzen nicht immer so gut vertragen mochte. Eigentlich ernährte ich mich damals schon recht gesund.

Der Plan war aber, ab 1.1.26 noch viel mehr auf gesunde Ernährung zu achten.

Schlechte Fette wurden sehr stark reduziert, Zucker und Kohlenhydrate ebenfalls. Es gab mehr Proteine, viel Gemüse und jeden Tag Salat.

Das Butterbrot in der Früh wurde durch Müsli ersetzt. Gesnackt wurden nur noch Nüsse und Mandeln, genascht wurden dunkle Schokolade und gelegentlich Haferkekse, auf Alkohol verzichtete ich komplett. Natürlich gab es auch wenige Ausnahmetage, an denen die Regeln fallen gelassen wurden.

Der nächste Schritt war dann die Anmeldung im Fitnessstudio mit dem strengen Vorsatz, dieses auch 2x/Woche zu besuchen, was ich auch wirklich durchgezogen hatte. Ich kaufte mir ein Rennrad und baute ausdauernde Radfahrten in mein Training ein.

Das Resultat war ein Gewichtsabnahme von fast 10 kg, ein merkbarer Muskelaufbau und vor allem das Gefühl, wesentlich fitter zu werden.

Meine Trainingswoche bestand aus anfangs ca. 70–80 km laufen, 2x/Woche Krafttraining sowie gelegentlich Radfahren bis max. 50 km.

Später steigerte sich der Laufumfang auf 100–110 km/Woche, wobei immer ein Longjog von 40–50 km dabei war.

Schon sehr früh war auch mein Ziel gesteckt. 600 km sollten es bestenfalls werden, wenn nicht, wäre es auch nicht tragisch. Ambitionen auf einen Stockerlplatz in der AK 60 waren keine da, nachdem ich das starke Starterfeld gesehen hatte.

Zumindest wollte ich den Fokus nicht darauf richten, um während des Laufes entspannt zu bleiben.

Ich baute auch Wettkämpfe in mein Training ein:

Den Lasseer Benefizlauf im März, den Paris Marathon im April, den K6 – 3-Tage-Lauf in Tschechien, im Mai den Golser Weinberg Marathon sowie den 24h-Lauf in Bad Blumau im Juli.

Von mehreren taktischen Varianten, die ich mir überlegte, war folgende für mich am sympathischsten:

50 km laufen, dann 50 km laufen und gehen abwechseln und bei Bedarf nur noch gehen. Für somit jeweils 100 km waren ca. 17 Stunden eingeplant. Anschließend würde ich für 4–5 Stunden Pause machen. Diesen Rhythmus sollte ich dann so lange wie möglich beibehalten. Sollte dies nicht wie geplant klappen, hatte ich noch abweichende Varianten eingeplant. Bei einem 6-Tage-Lauf kann ja viel Unvorhergesehenes passieren.

Ca. 3 Wochen vor Start des Rennens musste Adalbert leider wegen einer Verletzung seine Teilnahme am Bewerb absagen. Somit war klar, dass ich allein nach Ungarn fahren musste, was mich etwas verunsicherte, da Adalbert ja schon einige Erfahrungen mit dem EMU 6-Days gemacht hatte.

Nach ca. 10-tägiger Taperingphase war es dann am 2.9. endlich so weit. Mein Auto wurde vollgepackt mit allem, das ich glaubte zu brauchen. Auch die Dinge, die ich beim 3-Tage-Lauf vergessen hatte, wie z. B. eine Regenüberhose, wasserdichte Socken u. s. w. Allerdings sollte ich dann 2 Drittel der Dinge gar nicht brauchen.

Mit 2:45 Stunden Fahrzeit gehörte meine Anreise aus Wien nach Balatonfüred wohl zu den kürzeren, wenn man bedenkt, dass andere Teilnehmer aus Australien, USA, China, Japan u. s. w. anreisen mussten.

Da es sich um eine WM mit Gold-Label handelte, waren die Regeln dementsprechend streng gefasst.

Beim Check-In wurden meine Lieblings-Hoka-Schuhe gleich einmal aussortiert, da sie mit einer Höhe von 44 mm um 4 mm zu hoch waren. Schade, aber ich hatte ja noch 4 weitere Paar Schuhe verschiedener Marken mit.

Das Geniale bei diesem Bewerb, der auf dem Campingplatz stattfindet, ist, dass man eine Art Mobilheim zugewiesen bekommt, das direkt an der Strecke liegt und von der Ausstattung her alle Stücke spielt.

Ich war der Einzige, der eine Hütte für sich allein hatte. So konnte ich mich ausbreiten, wie ich wollte.

Die Unterkunft hatte neben einer Wohnküche mit Kühlschrank, Mikrowellenherd, Spüle, Herd auch 2 Schlafzimmer mit 5 Betten, ein Badezimmer mit Dusche sowie ein extra WC. Außerdem waren noch eine Klimaanlage sowie eine Heizung vorhanden. (Ich sollte auch beides verwenden.) Außen gab es eine überdachte Terrasse mit Tisch u. Sesseln.

Die Hütte war schnell von mir eingerichtet. Mein Equipment wurde übersichtlich platziert und der Außenbereich mit Österreichfahne und ULT-Banner geschmückt.

Die Eröffnungsfeier fand am Nachmittag im nahen Konferenzzentrum statt. Die Nationen präsentierten sich mit ihren Landesflaggen auf der Bühne. Ich freute mich, Daniela aus Deutschland und Berit aus Dänemark, beide Vereinsmitglieder vom ULT-Tulln, zu sehen. Wir begrüßten einander herzlich.

Hier lernte ich auch Christina kennen, eine junge Österreicherin, die in Deutschland lebt. Gemeinsam hielten wir die österreichische Flagge bei der Präsentation der Nationen auf der Bühne hoch. Das schaffte bei mir ein Gefühl der Verbundenheit. Ich war nicht der Einzige, der unser Land vertrat.

Die Nacht vor dem Bewerb konnte ich sehr gut schlafen. Von Nervosität war wenig zu spüren.

Nach einem lustigen moderierten Aufwärmprogramm erfolgte um 12 Uhr der Start.

Ich zog meinen geplanten Taktikplan durch und lief die ersten 50 km in ca. 6 Stunden. Mein Tagesziel von 100 km brachte ich in 14 h schneller als erwartet hinter mich.

Um 2 Uhr nachts startete ich in die erste Pause. Meine Pausen sollten jeweils ca. 4–5 Stunden dauern. Es wurden aber immer mindestens 5 Stunden, von denen ich nur ca. 3–3,5 Stunden schlief. Die restliche Zeit verbrachte ich mit folgenden Dingen, die ich zuvor so nie am Schirm hatte:

Erstmals ankommen, hinsetzen, orientieren. Das Ausziehen der Schuhe dauerte immer schon ca. 5 Minuten, das der Socken ebenfalls. Es folgten eine herrliche Dusche, das Herrichten des Laufgewandes für nach der Pause. Dann gab es noch einen Proteindrink, den ich beim Lesen der aufbauenden Nachrichten meiner Lauffreunde und Familie einnahm.

Der Schlaf war jeweils tief und erholsam. Die Matratze war nicht besonders bequem, somit wollte ich das Bett sowieso bald verlassen.

Dann kam die Prozedur des Eincremens der Füßen mit Hirschtalg sowie der Beine mit Deep Blue.

Die Getränke für den Tag mussten hergerichtet werden und in die Kühlbox an der Strecke gebracht werden.

An einem Morgen öffnete ich meine Kühlbox und musste erkennen, dass es sich eine Menge Ameisen darin gemütlich gemacht hatten. Ok, ignorieren dachte ich mir. Für eine Reinigung hatte ich keine Zeit.

Nach Kaffee und Rosinenbrötchen und Zähneputzen ging es dann wieder frisch gestärkt auf die Strecke.

Dieses Procedere wiederholte sich dann immer nach weiteren 100 km. Alle 6 Tage hindurch. Ich hätte mir im Vorfeld nicht gedacht, dass ich das wirklich durchgehend durchziehen werde können.

Nach den ersten 24 Stunden standen 142 km für mich in der Ergebnisliste. Ich hatte genau die 41 km an Puffer angesammelt, die dann am Ende das Ergebnis von 642 km ausmachten.

In meiner Altersklasse war ich an 1. Stelle, aber das ignorierte ich komplett, waren ja noch 5 Tage zu absolvieren.

An den Tagen 2, 3 und 4 konnte ich meinen Puffer auf bis zu 53 km ausbauen. Mein AK-Ranking wechselte zwischen 1. und 4. Rang, aber das interessierte mich immer noch wenig, waren ja 600 km – das zählt.

Tag 4 und 5 waren sehr heiß. Die Temperaturen erreichten bis zu 32 Grad. Meistens war es windstill.

An der Labe trank ich jede Runde, also alle 900 Meter, einen großen Schluck prickelndes Mineralwasser, 2x pro Stunde mit Elektrolytkapseln.

Die Labe war mit allen möglichen Köstlichkeiten bestückt und ich griff ca. jede 2. Runde herzhaft zu.

Von Käse, Speck, Streichwurstbroten, Äpfeln, Melonen, Keksen, Blätterteigtaschen bis zu Gummibärchen war alles vorhanden. Dass mein Magen das alles ausgehalten hatte, wunderte mich sehr. Im Gegenteil, ich glaube, es brauchte das sogar. Gesund essen war für 6 Tage vergessen.

Am 5. Tag gegen 22 Uhr war es dann so weit. Die 600 km waren ganz nah. Müde zog ich meine Runden und freute mich schon sehr auf meine letzte, wohlverdiente Pause. Im Glauben, mit Ende der nächsten Runde 600 km erreicht zu haben, setzte ich bei Start/Ziel schon zum erleichterten Jubel an. Aber was zeigte der Monitor? 599,997 km. Das war echt gemein. Zwar wären bei Erreichen meiner Unterkunft die 600 km absolviert gewesen, ich wollte es aber offiziell haben und ging also noch eine letzte Runde.

Um 23:00 war es dann so weit. Ich betrat meine Hütte und spürte unendliche Erleichterung. Jetzt konnte mir nichts mehr passieren.

Ich lag in der Altersklassenwertung mit einem Vorsprung von ca. 50 km auf dem 3. Rang. Diesen konnte mir nur noch eine Verletzung wegnehmen.

Bei dieser letzten langen Pause hatte ich plötzlich alle Zeit der Welt. Ich las in aller Ruhe den Chatverlauf in unserer Whatsapp-Gruppe und freute mich sehr über die vielen Glückwünsche, die schon jetzt eintrafen.

Nach einer entspannten Pause startete ich um ca. 4:30 Uhr in die letzten 7,5 Stunden des Bewerbs.

Ich hatte jetzt mehrere Optionen. Entweder ich höre auf und feiere meine 600 km (das war natürlich keine Option, da ich ja den 3. Rang in der AK behalten wollte), oder ich spaziere bis Zielschluss und verwalte den 3. Rang (da wäre wahrscheinlich die Zeit bis 12 Uhr nur sehr langsam vergangen).

Ich entschied mich für die Variante, noch einen Marathon draufzupacken, um vielleicht in Zeitdruck zu geraten, den bis 12 Uhr zu schaffen. Genauso war es dann auch. Die Zeit verging wie im Flug.

Zur Schlusssirene waren es genau 642,2 km. Bei der Restmetervermessung kamen dann noch ein paar hundert Meter dazu.

Mein Fazit:

Ich bin sehr stolz darauf, meine Pläne von Tag 1 bis Tag 6 konsequent durchgezogen zu haben.

Ich ließ mich durch nichts ablenken und behielt immer mein Ziel im Kopf, 600 km zu erreichen.

Offensichtlich hatte sich meine penible Vorbereitung ausgezahlt.

Meine gesunde Ernährung über Monate im Vorfeld war sicher mitverantwortlich, dass meine Magenprobleme diesmal komplett ausblieben. Meine lockere Herangehensweise, mir keinen Druck zu machen, hat wahrscheinlich das Ihre dazu beigetragen.

Ob ich nochmals einen Bewerb mit ähnlichen Anforderungen bestreiten werde, weiß ich nicht.

Obwohl ich nie ganz bis an meine Grenzen gehen musste, war das Ganze doch sehr fordernd und energieraubend.

Ähnliche Wettkämpfe bis ins hohe Laufalter zu bestreiten, schließe ich für mich aus, da ich glaube, dass zu viel davon nicht wirklich gesund sein kann.

Den Bewerb selbst kann ich allen, die das Wagnis eingehen wollen, nur empfehlen.

Der Veranstalter gibt sich alle Mühe, ein unvergessliches Erlebnis zu bieten. Und mehr Komfort bei einem Multiday-Event kann man nicht bieten.

Danke allen, die mir die Daumen gedrückt und mich mit ihren aufmunternden Mitteilungen durch den Bewerb getragen haben.